Wie könnte das Comeback einer Legende, gebührender als mit den Rufen nach ihm zum Saisonauftakt, gefeiert werden? Ein Bericht würde dieser Begrüßung kaum gerechter werden. Vor allem, wenn er nach zehn Jahren, ganz unverhofft, seine Schuhe nochmal für die Tigers schnürt. Ganz ohne Basketball – das ging für Steffen Müller nicht, ist es doch ein Teil seines Lebens. War es in früheren Zeiten noch sein Leben und der Rest Details, wurden die Details immer wichtiger und der Basketball zu einem in seinem Leben. Doch nun wird seine Basketballgeschichte noch einmal in der 1. Regionalliga Nord fortgeschrieben. 

Spät kam Müller zum Basketball – mit 16 oder so, genau wisse er es nicht mehr. Zuvor hatte er sich im Fußball, Handball oder auch Boxen versucht. Beim Basketball sollte der 1.95m-Mann hängen bleiben: “Ich kam durch einen Freund zum Basketball, der mich mit zum Werfen nahm.’ Wir haben versucht, das nachzumachen, was wir in der NBA gesehen haben. Basketball war damals im Osten unbekannt.” So zog es die Freunde zum damaligen VfB Aschersleben. Der athletische, junge Mann blieb nicht unentdeckt und wurde zum früheren Zweitligisten des SSV Hagebau Weißenfels gebracht. “Es war direkt in den Defense-Wochen. Bei Frank Menz (Anm.: ehemaliger National- und Bundesligatrainer) kein Geschenk, ich war fertig danach. Ich dachte meine Beine explodieren, aber ich durfte bleiben.”, blickt Müller auf seine erste und einzige Bundesligastation zurück. Zwei Jahre lebte er den Traum des Bundesligaspielers, wo er für seine Athletik bekannt wurde und so auch zum All Star Game Slam Dunk Contest eingeladen wurde. 

Es hätte der Beginn einer Profikarriere sein können, ein Traum, dem heute viele Jugendliche nachstreben. Rückenprobleme und ein Bandscheibenvorfall forderten ihren Tribut. Nachdem diese überstanden waren,  wurde er zum Trainingsprofi – saß in den Spielen nur noch auf der Bank. “Rückblickend hätte ich vielleicht am Ball bleiben, mehr trainieren sollen. So eine Chance wie in Weißenfels kriegt man nur einmal im Leben.”, resümiert Müller heute. Es zog ihn zurück in seinen Heimatverein. Andere Angebote lehnte er dankend ab, war der Forward doch glücklich in Aschersleben. So schnürte er sich bis 2012 noch die Schuhe für die Sachsen-Anhaltiner und ließ ebenso danach nie ganz von seinem Sport sowie seinem Verein ab.

Spätestens mit dem Wechsel von Trainer Thorsten Weinhold nach Aschersleben wurde die Lust auf eine Rückkehr immer größer: “Ich habe oft gegen Weini gespielt und fand ihn als Gegner schon immer sympathisch. Ich hatte aber nie die Chance, ihn als eigenen Coach erleben zu dürfen. Er hat hier in kurzer Zeit etwas aufgebaut, wir spielten um die Meisterschaft. Ich wollte das einfach erleben. Seine Trainings machen Spaß, sind viel mit dem Ball.” Schmunzelnd fügt der 44-Jährige hinzu: “Nur mit den Systemen komme ich noch nicht klar. Ich bin im Training etwas raus, aber wenn ich ein paar Fouls kassiere, ist das auch okay.” 

Doch mehr als Fouls soll die Ascherslebener Legende allemal verbuchen. “Ich will aushelfen, meine Mitspieler entlasten und in der Verteidigung helfen. Die Jungen sollen scoren, das ist für mich nicht wichtig.”, erläutert er und fügt an, “ Die Gegenspieler sollen nicht punkten. Das ist mir am Wichtigsten. Ich brauche keine Punkte, solange der Gegenspieler noch immer einen weniger hat.” Gleichsam unterstreicht sein neuer Trainer Thorsten Weinhold die unverhoffte Aushilfe: “Steffen wird im Laufe der Saison sicherlich noch sehr helfen können. Gerade weil wir am Brett doch etwas dünn besetzt sind. Er spielt schlau und ist bereit, seine Stärken für das Team einzusetzen. Da sind Dinge dabei, die man in der Statistik nicht sofort erkennen kann.”

Die Bescheidenheit von Müller kann wohl gerne als altersbedingte Weisheit verstanden werden, ein wirklicher Mentor in sportlicher Hinsicht könne er seinen jungen Mitspielern eh nicht sein, wie er selber anmerkt “Das Spiel hat sich verändert. Es ist schneller, jeder kann punkten. Ihnen kann ich in sportlicher Hinsicht nichts raten. Die sind viel besser ausgebildet als wir damals.” 

Einen Rat hat er dann doch noch: “Die jungen Spieler sollen die Zeit genießen. Das Drumherum, die Erlebnisse mit dem Team. Die Zeit geht so schnell vorbei, man ist sich dessen im jungen Alter nicht bewusst. Aber man blickt irgendwann zurück und erinnert sich an dieses Zusammensein.” Ein Vorteil, dass das Alter wohl mit sich bringt und was er mit seinem Comeback bestimmt selber bewusster genießen wird. Basketball ist eben mehr als 40 Minuten auf dem Parkett, es ist ein Stück des Lebens aller Spieler. Es ist ein Stück Weit verlängerte Klassenfahrt, dessen Steffen Müller noch einmal beiwohnen wird.