Es war eine Begegnung auf Augenhöhe, die Mal das eine und Mal das andere Team in der Hand hatte. Am Ende brachten Fehler auf Seiten der Aschersleben Tigers den SC RASTA Vechta in Vorhand und in fast letzter Sekunde zum Sieg. Den 70:68-Vorsprung trugen sie gekonnt über die Ziellinie, sodass sie das erste Spiel der “Best-of-Three”-Serie in eigener Halle verbuchten. In Folge muss es der Tigerkäfig richten und die Mannen um Trainer Thorsten Weinhold zum dritten Spiel tragen.

Ein lautstarker und mit 800 Zuschauern gut besetzter RASTA-Dome trug die Gastgeber, angeführt von Johann Grünloh und Marshawn Donte Blackmon, zum 6:0-Lauf. Zunächst bäumte sich der in diesem Spiel erneut stark auftretende Udun Osakue mit Korbleger dagegen auf (6:2, 2. Minute). Ihm folgte alsbald sein Team und schloss dank des Amerikaners auf einen Zähler auf (12:11, 6. Minute). Nun folgte wiederholt dem Absetzen der Vechteraner der Gäste-Ausgleich. Nach Steal von Jonathan Coles schloss er das Viertel mit 21:19 ab.

Das gute Passspiel von RASTA belohnte Center Tim Insinger zu Beginn der neuen Minuten von der Dreierlinie (24.19, 11. Minute). In einem defensiv-geprägten Spiel gaben sich die Gegner nun einen Schlagabtausch, in dem die Niedersachsen zwar führten aber diese nicht ausbauen konnten. Mit einer geschlossenen Teamleistung und harter Arbeit von Aivars Stikuts, bissen sich die Tigers zur zweiten Hälfte erneut auf einen Punkt heran (33:32, 17. Minute). Nachdem Stikuts seine Mannschaft von der Freiwurflinie in Vorhand brachte (34:36, 19. Minute), glich Grünloh nochmals aus. Mit 36:37 für die Ascherslebener ging es in die Halbzeit.

Angeführt von Kevin Smit legten die Hausherren gut auf, ebenso schenkten ihnen die Tigers aber nichts. Nachdem Davor Barovic von der Freiwurflinie den Ausgleich holte, setzte dieser im Gespann mit Osakue sowie Chris Kwilu, die Tigers konstant ab (42:49, 25. minute). Nach einer Auszeit, gezogen von RASTA-Coach Hendrik Gruhn, konnten die Ascherslebener den Sack nicht zumachen. Vielmehr arbeiteten sich die Mannen um Smit wieder heran (51:52, 29. Minute). Nachdem die Gäste ihre Führung wieder etwas verfestigten, brachte Sebastian Harke mit einem unsportlichen Foul den Gegner an die Freiwurflinie und in den Ballbesitz. Mit einem Stand von 55:56 war folglich der Grundstein für ein kaum spannenderes Schlussviertel gelegt.

Die intensive Verteidigung beider Parteien prägte dieses, denn Ballverluste folgten auf -gewinne. Nachdem die Tigers bisher kein Händchen von der Dreierlinie gefunden hatten, netzte Leo Alban die ersten Zähler von dort ein (55:59, 32. Minute). Nach zwei weiteren Zählern vom Forward, antwortete Smit allerdings jäh (58:61, 33. Minute) und blies zur Aufholjagd. Nachdem Osakue mit einem Cut kurzzeitig versorgt werden musste, machte sich dessen Fehlen bemerkbar. So sicherte sich der SC RASTA Vechta einen 65:63-Vorsprung. Den Ausgleich holte Barovic, den Vechtas Blackmon nicht lange stehen ließ (68:65, 39. Minute). In der letzten Minute folgte mit dem Ausgleich von Osakue ein Kampf um jeden Punkt (68:68). Ein Ballgewinn wurde nicht verwertet, vielmehr brachte ein Foul den Amerikaner Blackmon an die Freiwurflinie und zur Führung (70:68) in eigener Halle, die nun nicht mehr auf den Sitzen zu halten war. Die Auszeit von Weinhold und eine verbleibenden Spielzeit von 1.1 Sekunden sollte die letzte Sekunde nicht zur Rettenden verwandeln. Eine spannende Begegnung auf Augenhöhe fiel so in die Hände der Hausherren, die die Atmosphäre ihrer Halle genoss und den 70:68-Sieg mit dieser feierte.

Schwere Aufgaben für beide Teams

Nun richten sich vor allem die Augen der Tiger auf das Spiel in Aschersleben. Hier soll es ein bissiger Käfig richten, denn sie stehen unter Zugzwang und müssen mit einem Sieg die “Best-of-Three”-Serie wieder ausgleichen, um die Chance auf die Meisterschaft in einem dritten Spiel wiederzuerlangen. Eine schwere Aufgabe für beide Seiten: Für den SC RASTA Vechta steht ein wahrer Marathon auf dem Programm, denn mit der NBBL, in der die Meisten ihrer jungen Spieler wiederzufinden sind, geht es zum Nachwuchsteam der Uni Baskets Paderborn. Dort steht ein kaum minder wichtiges Spiel auf dem Plan, denn der zweite Sieg im Viertelfinale und der Einzug in das Top4 soll gesichert werden. Danach bleibt keine Zeit zum Verschnaufen, denn im Anschluss geht es direkt weiter nach Aschersleben  “Gerade für die jungen Spieler ist das hart, da müssen sie sich durchkämpfen. Gutes Essen und der Physiotherapeut, der sie durchknetet, werden hoffentlich sämtliche Speicher auffüllen. Die jungen Spieler können das aber ab, die kennen noch keine Müdigkeit. Sie müssen da jetzt durch.”, blickt Vechtas Coach Gruhn auf das Wochenende, dass mit dem ersten wichtigen Sieg für seine Mannen erst begann und keine Zeit zum Ausruhen gibt.

 Zittern muss Thorsten Weinhold nicht wegen der kurzen Regeneration, zumal diese noch länger als beim Finalgegnern ist. Vielmehr sorgen personelle Probleme für Unruhe. Davor Barovic wird aus beruflichen Gründen voraussichtlich nicht auflaufen können. Dabei bewies er am Freitagabend einmal mehr seine Gefahr unter dem Korb und die Präsenz in der Verteidigung, die nun Aivars Stikuts und Sebastian Harke auffangen müssen. Ebenso ging Patrick Lyons, nach dem Zusammenstoß mit seinem amerikanischen Teamkollegen Osakue, etwas lädiert aus dem Spiel. Trainer Thorsten Weinhold versucht aber positiv zu bleiben: „Es steht leichtes Wurftraining und Stabilisation an. Am Freitag gingen die Meisten unserer Pläne auf, nur haben wir am Ende entscheidende Fehler gemacht. Wir wissen wie wir spielen müssen, jetzt müssen wir die Partie vergessen und uns auf Sonntag konzentrieren.“ Wie es der RASTA-Dome tat, so soll es nun der Tigerkäfig gleichsam tun und ihrem Heimteam Rückenwind sowie den nötigen Push verschaffen. Dass sie auf Augenhöhe spielen und ein Sieg drin ist, bewiesen die Sachsen-Anhaltiner trotz starker Auswärtskulisse und der Niederlage in der letzten Minute bereits. Nun sollen weniger Fehler und der sechste Mann zum Ausgleich verhelfen.

Stimmen zum Spiel:

Hendrik Gruhn, Trainer des SC RASTA Vechta: “Das war nicht unser bestes Spiel. Wir haben Aschersleben ihre physischen Stärken durchziehen lassen. Wir haben es außerdem nicht geschafft, in die Räume zu kommen und zu scoren. Aber Hauptsache in den Playoffs ist ja, das man gewinnt und das haben wir. Da brauchen wir keinen Schönheitspreis.”

Thorsten Weinhold, Trainer der Aschersleben Tigers BC: “Meines Erachtens fand ein Finale statt, das diesen Namen auch verdient hat. Beide Teams spielten mit unglaublich hoher Intensität und hatten sich beide offenbar gut auf den Gegner vorbereitet. So kam es mit zunehmender Spieldauer zu einem spannungsgeladenen Finish, in dem beide Mannschaften die Chance auf den Sieg hatten. Bedauerlich für uns war, dass nach einem eigentlich erfolgreichen Spielzug, Patrick mit Udun zusammenstieß und ausgewechselt werden musste. Diese kurze Phase brachte uns etwas aus dem Rhythmus und wahrscheinlich um den Sieg.”

Stats zum Spiel:

Für den SC RASTA Vechta spielten: Smit 26 Punkte, Blackmon 17 / 5 Rebounds, Grünloh 8, Gijan 7, Insinger 6, Jänen 6, Bühner, Ladjyn, Peleda

Für die Aschersleben Tigers BC spielten: Osakue 24 Punkte / 11 Rebounds, Alban 13, Kwilu 10 / 7, Barovic 8 / 6, Stikuts 6 / 6, von Hain 4, Coles 3, Harke, Lyons