„Das Ende kommt meist früher als man denkt und will.“ (Klaus Seibold) So auch für die Aschersleben Tigers, die von einem dritten Spiel vor toller Kulisse im RASTA-Dome träumten. Doch die Realität brach jäh über sie herein. Mit gleich drei Ausfälle – die mit dem Kopf der Mannschaft, Patrick Lyons, sowie beiden Centern Davor Barovic und Aivars Stikuts, kaum gravierender hätten sein können – mussten sie in die Do-or-Die-Partie gehen. Trotz dessen war es eine Begegnung auf Augenhöhe, die lange, knapp in Händen des SC RASTA Vechta lag. Dank starker Aufholjagd schafften es die Tigers in die Overtime, mussten hier mit Pech aber die 78:80-Niederlage hinnehmen. Zwischen dem Schmerz des Saisonendes mischt sich bei Team und Verantwortlichen allerdings ebenso Stolz auf eine erfolgreiche Saison 2021/22 sowie den Titel Vizemeister der 1. Regionalliga Nord hinein.

Nach dem eröffnenden Dreier von Vechtas Luca Ladjyn, legten die Ascherslebener nach und holten ebenfalls aus dem Feld die Führung (7:3, 2. Minute). Die Antwort von Ladjyn folgte prompt und leitete den Kampf um die Oberhand im Spiel ein, den RASTA zu gewinnen schien. Allerdings hatte das junge Team nicht mit Routinier Sebastian Harke gerechnet, der fleißig Punkte sowie Rebounds sammelte. So biss er sich zum Ende des ersten Viertels an dessen Fersen und buchte den 15:18-Stand ein.

Wurden die weiteren zehn Minuten noch von den Gastgebern eingeläutet, setzten die Niedersachsen sich dank starker Verteidigung weiter ab (19:26, 12. Minute). Vor allem Guard Kevin Smit legte in der zweiten Hälfte dar, welches Talent er besitzt und heimste von der Dreier-Linie die zweistellige Führung ein (23:34, 16. Minute). Hiergegen behauptete sich in Reihen der Tigers zunächst nur Udun Osakue und überzeugte mit Rebounds sowie einem starken Blocked Shot. Ihm eilten alsbald Chris Kwilu und Harke nach und schlossen wieder an (29:34, 18. Minute). Doch gegen Smit gab es keine Antwort und den erneuten zweistelligen Abstand verkürzte ein über sich erneut hinauswachsender Harke zum Abschluss von der Freiwurflinie (31:39, 2. Viertel).

Aus der Kabine kamen die Tigers frischer und verkürzten dank Korbleger von Jonathan Coles auf 36:39 (23. Minute). Insgesamt wollten die Bälle auf beiden Seiten nicht wirklich durch die Reuse. Während die Ascherslebener immer wieder verkürzten, antworteten die Vechteraner immer wieder. Die Leo Alban, Osaku und Kwilu stemmten sich immer wieder gegen die Angriffe von Smit, der nicht aus dem Spiel zu kriegen war. Für einen kurzen Schockmoment in der letzten Minute des Viertels sorgte Osakue als er nach einem Foul am Boden lag und benommen ausgewechselt werden musste. Mit 46:53 ging es in die vermeintlich entscheidende Schlussphase.

Das nahm erneut die Ascherslebener Legende Harke, der als Topscorer der Partie gleichsam seinen Status unterstrich, in die Hand und weckte die Halle mit vier Punkten in Folge (50:53, 32. Minute) aus ihrem Dornröschenschlaf. Drei Freiwürfe durch Guard Smit gaben dem Tigerkäfig zwar einen kleinen Dämpfer, den schoss aber Coles aus dem Feld in die Vergessenheit (53:56, 33. Minute). Keine Minute später folgte mit Dreier von Alban der Ausgleich und es entbrannte ein Kampf um die Führung. Beide Teams schenkten sich weder Punkte noch Rebounds, in dessen Folge die Partie immer wieder ausgeglichen wurde. Nachdem Coach Thorsten Weinhold versuchte in einer Auszeit diesen Fakt zu wenden, legte der niedersächsische Center Tim Insinger zunächst nach (61:64, 38. Minute). Das Heft mussten also wieder Harke und Osakue in die Hand nehmen und holten gar die Führung (67:64, 40. Minute). Dass diese Finalserie auf Augenhöhe stattfand und an Spannung kaum sparte, unterstrich der Fakt, dass Noah Jänen von der Dreierlinie ausglich und die Overtime erzwang (67:67, 4. Viertel).

Wie bereits im vorherigen Viertel, schenkten sich die Gegner nichts und kämpften zwischen knapper Führung, Ausgleich und Rückstand. Auch die Foulbelastung bei den Tigers, die das Ausscheiden der, bis dato fast durchgehend gespielten, Coles, Alban und Kwilu erzwangen, brachte dem Kampfesgeist keinen Abbruch. Nachdem Harke die Führung von der Dreier-Linie krallte (78:76, 44. Minute), glich der SC RASTA Vechta aus. Ein Ballgewinn wurde nicht honoriert, vielmehr hatten die Niedersachsen nunmehr zwei Chancen von der Freiwurflinie, die sie nutzten. Mit 78:80 wurde der starke Kampf einer personell stark geschwächten Tigers nicht honoriert.

Gerade unter diesen Widrigkeiten können die Aschersleben Tigers stolz auf sich sein. Damit sind sie verdienter Vizemeister, was auch Präsident Nico Meinicke unterstreicht: „Natürlich tut die Niederlage weh und ich hätte gerne noch einmal Samstag ein Spiel im RASTA-Dome gehabt. Vor der Saison hätte ich mit so einem starken abschneiden, aber nie gerechnet. Viele Spieler haben sich super entwickelt. Wir durften tolle Spiele erleben und ich bin wirklich stolz auf die Leistung. Danke auch für diese tolle Unterstützung der Fans, zuletzt haben wir gesehen was die Stimmung ausmacht. Auf diese Saison können wir aufbauen. Und wir müssen auch einfach mal sehen, dass wir immer noch Vizemeister sind und wir darauf stolz sein können.“ Zwar waren die Tigers bis zum Schluss in der Saison 2021/22 dabei, dennoch wurde diese früher als erhofft beendet. Doch wie heißt es so schön – jedes Ende birgt einen Anfang inne, spätestens mit der kommenden Spielzeit.

Stimmen zum Spiel:

Thorsten Weinhold, Trainer der Aschersleben Tigers BC: „Zu einem würdigen Finale kam es mal wieder in einem ausverkauften Ascaneum und toller Stimmung. Allerdings mussten wir gleich mehrere Nackenschläge verkraften. Es war bereits ein Schlag, dass Kapitän Patrick Lyons am Freitag so stark angeschlagen war, dass er ausfiel. Dazu fehlten beide Center – Davor Barovic aus dienstlichen Gründen und Aivars Stikuts musste kurzfristig aus gesundheitlichen Gründen passen. Es entwickelte sich ein denkwürdiges Finale, in dem die Tigers im wahrsten Sinne des Wortes bis zum Umfallen kämpften. Trotz Rückstand schafften wir noch kurz die Führung, ehe es in den Ausgleich und die Overtime ging. Hier fehlte uns am Ende neben Personalien auch das Quäntchen Glück. Ein Sieg wäre drin gewesen, was umso schwerer zu verdauen ist. Herzlichen Glückwunsch an Vechta.“

Sebastian Harke, Spieler der Aschersleben Tigers BC: „Das Wochenende muss man erst mal verdauen -mental und auch körperlich. Man kann danach sagen, dass es dem Traumfinale gerecht wurde. Es wurde sich nichts geschenkt und alles gegeben. Das Halbfinale war schon Werbung für den Basketball, den neuen Playoff-Modus und die Tigers, aber das Finale hat nochmal alles getoppt. Beide Spiele fanden vor Rekordkulisse statt, was sich beide Teams auch verdient hatten .Ich kann meinem Team gerade nach gestern nichts vorwerfen, es hätte jedes der Teams beide Spiele gewinnen können. Glückwunsch an Vechta, sie haben in Smit den Schlüsselspieler, sehr gute Talente und ein sehr gutes Programm. Ich gönne es Ihnen. Zu uns kann ich nur sagen, dass es eine tolle Saison mit einer zuletzt unglaubliches Fanbase und Atmosphäre war, worauf man nur stolz sein kann. Die ganze Stadt war angefixt, sodass sogar Leute vom damaligen Fanclub kamen und alle zusammen angefeuert haben. Es einmal mehr Werbung für den Sport und für die Tigers. Ich bin stolz.“

Hendrik Gruhn, Trainer des SC RASTA Vechta: „Heute ging es darum, wer es mehr will. Beide Teams waren kämpferisch. Beeindruckend war, wie sich Aschersleben mit all den personellen Problemen so gegen stemmte. Die Meisterschaft ist der Lohn für all die harte Arbeit. Hier haben wir darauf hintrainiert. Dass wir es geschafft haben, ist schwer in Worte zu fassen.“

Stats zum Spiel:

Für die Aschersleben Tigers BC spielten: Harke 24 Punkte / 14 Rebounds, Alban 16, Coles 12, Kwilu 11 / 7, Osakue 11 / 7 / 5 Assists,  Blaser 4, von Hain, Wascher

Für den SC RASTA Vechta spielten: Smit 28 Punkte / 7 Rebounds / 6 Assists, Blackmon 13 / 7, Insinger 12 / 6, Ladjyn 10 / 7, Jänen 8, Brockhoff 4, Grünloh 4 / 8, Giljan 1, Bühner