Wie die Harzregion, in deren Nähe die Göttinger besiedelt sind, so gestaltete sich auch die Partie – mit Höhen und Tiefen. Mit nur neun Mannen, ohne den weiterhin krankheitsbedingt fehlenden Linus Wascher und die, für die Landesliga abgestellten, Nachwuchsspieler, reisten die Aschersleben Tigers bereits in geschwächter Form an. Nachdem dem Hoch des erfolgreichen Starts folgte alsbald der größte Tiefpunkt der Partie mit der Disqualifizierung von Tigers-Trainer Thorsten Weinhold. Das Momentum konnte der Gegner des ASC 46 Göttingen hingegen nicht nutzen, vielmehr hielten die Tigers mit einer geschlossenen Teamleistung dagegen und sicherten sich einen 86:78-Auswärtssieg.

Dass der ASC 46 Göttingen kein zu  unterschätzender Gegner ist, das ließen sie bereits zu Beginn nicht mit einem Fragezeichen stehen. Nachdem Aivars Stikuts, der die Partie lange unter seine Führung nahm, das Viertel eröffnete, fanden die Königsblauen zugleich die Antwort aus dem Feld (2:3, 1. Minute). In den darauffolgenden Minuten gaben sich beide Gegner nichts und überzeugten auf beiden Seiten mit einer intensiven sowie aggressiven Verteidigung, sodass nur wenige Punkte eingestreut wurden. Nachdem die Kontrahenten lange auf Augenhöhe agierten, eröffnete Udun Osakue mit einem Dreier den 3:10-Lauf mit dem zugleich das Viertel endete (9:19).

Kaum lagen die Ascherslebener zweistellig vorne, so legte das Team um Trainer Gökhan Özbas alsbald nach – dies sollte im kommenden Spielverlauf wiederholt zu sehen sein. Christopher Schultz, Topscorer der Partie, eröffnete das Viertel wie auch den Run auf die Tigers. Nachdem die Königsblauen auf drei Punkte heran waren (16:19, 2. Minute) setzte Yannick von Hain aus dem Feld dagegen an (16:22, 2. Minute). Zusammen mit Jonathan Coles sorgte er in den folgenden Minuten dafür, dass erneut ein zweistelliger Abstand (21:32, 5. Minute) zu den Gastgebern hergestellt wurde. Doch Schultz ließ sich nicht lange bitten und eröffnete erneut zur Großwildjagd. An diesem Nachmittag mussten beide Seiten eine wenig nachvollziehbare Schiedsrichterleistung verkraften. Diese mündete allerdings früh in einer Diaqualifizierung für Tigers-Trainer Thorsten Weinhold. Nachdem bereits ein Foulverhältnis von 1 auf Seiten der Göttinger zu 8 auf Seiten der Gäste in diesem Viertel lag und zwei offensichtliche Fouls nicht geahndet wurde, wollte Weinhold mit einem Weckruf an die Referees entsprechend gegensteuern. Doch nachdem er das erste technische Foul überhörte, folgte sofort und ohne Ankündigung ein Zweites, woraufhin er die Halle verlassen musste. Damit mussten die Raubkatzen nicht nur ohne Kopf weiterspielen sondern mussten zugleich fünf Freiwürfe und die dadurch resultierende Führung des ASC (35:33, 7. Minute) verkraften. Doch Sebastian Harke und Patrick Lyons ließen erst gar keine Unruhe aufkommen und übernahmen sofort die Leitung. Dank geballter Teamleistung ließen sie kein Momentum für ihre Gastgeber aufkommen und produzierten zugleich weitere Ballgewinne für sich, sodass sie mit einer kleinen 39:43 in die Kabinen fanden. 

Dort hatte das Team wohl die richtigen Worte gefunden, sodass sie nun eine geballte Leistung aufs Parkett brachten. Zunächst übernahm offensiv Aivars Stikuts die Führung im Schlagabtausch mit Göttingens Nick Boakye. Wie zuvor folgte auf das knappe Absetzen des trainerlosen Teams (43:51, 4. Minute), prompt ein Drei-Punkte-Wurf von Philipp Sprung (46:51, 4. Minute). Da die Tigers nun allesamt Punkte einfließen ließen und ebenso ihre Verteidigung fortsetzen, ließen sie den Gegner allerdings nie gefährlich nah kommen. Vielmehr setzte der unfreiwillige Spielertrainer Harke weitere Punkte hinzu und holte erneut die zweistellige Führung (51:61, 9. Minute). Diese schmolzen die Königsblauen allerdings in der letzten Minute auf 57:62 ein. 

Wie es endete, so begann ebenso das neue Viertel, in dem der ASC 46 Göttingen mit Korbleger von Christopher Schultz auf einen Zähler verkürzte(63:64, 3. Minute). Lyons und Harke zogen folglich die Auszeit, die das Team mit zwei Korblegern dankte und sich in Folge erneut in einem wechselseitigen Schlagabtausch mit dem starken Gegner wiederfand. Dies endete erneut in einer, vom Team gezogenen, Auszeit, nachdem Boakye und Philipp Sprung weitere Punkte in Folge für die Gastgeber verbuchten (69:73, 6. Minute). Dass sich die Südniedersachsen danach allerdings weiter auf zwei Zähler näherten, nahm Lyons als Anlass aus dem Feld wieder Abstand in das Spiel zu bringen (71:76, 7. Minute). Einen weiteren Schockmoment erlebten die Aschersleben Tigers als Aivars Stikuts aus dem Sprung heraus fiel und minutenlang auf dem Feld mit einer Rückenverletzung lag. Ein bestellter Rettungswagen konnte dank des glücklichen Eingreifens einer Ärztin vor Ort wieder abbestellt werden, da es sich voraussichtlich um keine schwerwiegende Verletzung handelt. Nach dem erneuten Schlag behielt das restliche Team weiterhin die Nerven und spielte gekonnt ihr Set-Play runter. So konnten weitere Minuten von der Shot-Clock genommen werden. Zudem foulte sich Göttingens Topscorer Christopher Schultz aus. DIe letzte Minute musste dank einer sicheren Führung zwar noch konzentriert zu Ende gespielt werden, der Sieg war dem Ascherslebener Team allerdings nicht mehr zu nehmen. Mit dem 78:86-Auswärtssieg durften sie nach den Tiefen des Spiels endlich die Höhe, wie nach einer Wanderung auf den Brocken,  genießen und unterstrichen zugleich ihren Zusammenhalt.

Stimmen zur Partie 

Gökhan Özbas, Trainer des ASC 46 Basketball: “Es war natürlich nicht schön für uns, dass Niko Schultz nicht spielen konnte. Wir haben den Verlust allerdings gut aufgefangen. Die Zone hätten wir besser machen können, aber das sind Nuancen. Es hat sich gezeigt, dass Aschersleben ein sehr starker Gegner ist und sie auch mit schwierigen Phasen sehr gut mit zurechtkommen. Über die Schiedsrichterleistung muss man nichts sagen. Wir hätten aber die Phase vor der Halbzeit, als Weini die Halle verlassen musste, besser nutzen und zu unserem Momentum machen müssen. Da darf man sich keine Turnover leisten und wir häötten anders aus der Kabine kommen müssen und es cleverer ausspielen müssen.”

Thorsten Weinhold, Trainer der Aschersleben Tigers BC: “Wir konnten nach wenigen Sekunden in Führung gehen und diese bis zur Mitte des zweiten Viertels ausbauen. Erstaunlicherweise wurde die, verständlicherweise, aggressivere Verteidigung des Gegners nicht mehr geahndet, sodass ich sehr bestimmt auf zwei Fouls in Serie hinweisen musste. Zu meiner – und aller Anwesenden, wohl auch der der Göttinger – großen Überraschung, musste ich die Halle verlassen. Nichtsdestotrotz fanden sowohl mein Team als auch die Schiedsrichter wieder ins Spiel. So führten wir dennoch im 3. Viertel und zeigten das erwartet schwere Spiel gegen einen starken Gegner. Meine Mannschaft bewies ihre Teamleistung auch in ihren wechselnden Scorern. Christopher Schultz hatte beim ASC hingegen einen guten Tag erwischt und traf viel von außen. Meine Mannschaft bewies am Ende Nervenstärke – auch von der Freiwurflinie – worauf ich sehr stolz bin.” 

Sebastian Harke, Spieler der Aschersleben Tigers BC: “Es war natürlich erstmal ein Schock, nach der für mich leider von fehlendem Fingerspitzengefühl gegebenen Entscheidung, Weini der Halle zu verweisen und das am Anfang des zweiten Viertels bei gleichem Spielstand. Aber ich muss meiner Mannschaft ein riesen Lob aussprechen,denn wir haben bis zum Schluss diszipliniert und strukturiert unsere offense durchgelaufen und großen Einsatz in der Verteidigung gezeigt. Auch der nächste Schock als der starke Stikuts minutenlang am Boden lag, nach einer Rückenverletzung, hat uns nicht den Faden verlieren lassen. Es ist nicht oft das eine Mannschaft, fast das gesamte Spiel über Zone verteidigt, aber der Ball lief unglaublich gut und jeder hat an diesem Tag seine Rolle perfekt ausgefüllt. Dieser Sieg sollte uns nochmal Kraft für die nächsten Wochen geben, denn wir haben definitiv Platz 2 im Visier.”

Stats zum Spiel

Für den ASC 46 Göttingen: Schultz 26 Punkte, Boakye 17 / 5 Rebounds / 8 Assists, Jaschewski 13 / 5 Assists, Sprung 10 / 9, Rodeck 8, Wüllner 4, Hackel, Heidelberg

Für die Aschersleben Tigers BC spielten: Osakue 20 Punkte / 6 Rebounds, Stikuts 17, Harke 12, Lyons 12 / 8, von Hain 9, Coles 7, Alban 6 / 10, Kwilu 3, Blaser