„Berlin ist eine Brücke ohne Geländer. Runterfallen ist erlaubt, im Gegensatz zum restlichen Deutschland.“, antwortete ein Berliner im Rahmen einer Umfrage der Staatskanzlei auf die Frage, was die DNA der Hauptstadt sei. Ohne Absicherung und auf dem schmalen Weg zwischen Sieg und Niederlage bewegten sich auch die Aschersleben Tigers in der Partie gegen den bisherigen Tabellenführer der Berlin Braves 2000. Nachdem die Tigers eine zweistellige Führung im ersten Viertel hergaben, hingen sie lange in der Luft und rannten der knappen Führung ihrer Gastgeber hinterher. Da aber für den Rest Deutschlands runterfallen nicht erlaubt ist, krallten sie sich dann doch lieber die Punkte mit einem 60:57-Auswärtssieg. Mit 17 Zählern avancierte der neue Tigers-Forward Udun Osakue, der erst in dieser Woche für den geschiedenen Faison Brock zum Training der Ascherslebener zustieß, zum Topscorer der Partie.
Zwar starteten die Tigers zunächst holprig, doch die Eröffnung gab ein stark startender Patrick Lyons nach einer Minute von der Dreier-Linie. Da die Tigers verstanden, den Gegner nicht zu seinem bekannten, schnellen Spiel kommen zu lassen, fand dessen Ball seinen Weg zunächst nur dank zweier Freiwürfe von Roman Bedine und erst nach drei Spielminuten, dank des besten Berliner Werfers – Yassin Mahfouz – als Korbleger durch die Reuse. Doch Aivars Stikuts und Ire Lyons führten ihre Tigers weiter erfolgreich an (13:8, 5. Minute), weshalb Berlins Headcoach mit der Auszeit reagierte. Aufhalten sollte das die Ascherslebener Tigers allerdings erstmal nicht, denn nun tat es Yannick von Hain seinen älteren Teamkollegen von der Dreier-Linie gleich und führte eine zweistellige Führung beginnenden Rennen zum rettenden Ufer herbei (20:10, 8. Minute). Doch die Braves erwachten zusammen mit ihrer Halle und nahmen den Tanz auf der Brücke auf. Nach einem Korbleger über 2.13m-Hühne Davor Barovic (15:20, 9. Minute) wurde klar, dass dies kein Start-Ziel-Sieg werden würde. Nach zehn Minuten erstrahlte bereits ein enges 20:17 auf der Anzeigetafel, welches noch in den Tigers-Krallen lag.
Nach einem Ballverlust, dem Wiedergewinn und einem abschließenden Korbleger durch den neuen Tiger Udun Osakue, ließ Berlin hinsichtlich ihrer Qualitäten keine Frage mehr offen und blieben vehement an ihren Gästen dran. Nachdem sich die Ascherslebener immer wieder, für kurze Zeit, vom Ausgleichstreffer lösen konnten, holten sich die Braves nach sechs Minuten erstmals die Führung (28:26, 6. Spielminute). Die Gastgeber fanden nun zu ihrem, vom Streetball geprägten, Spielstil und nahm das Publikum mit Hilfe von Korblegern sowie eines Dunks mit. Nachdem sie einen 1:8-Lauf feierten und die Tigers hingegen einen weiteren Ballverlust in Kauf nehmen mussten, versuchte Trainer Thorsten Weinhold seine Mannen zur Besinnung zu rufen. Da die Körbe allerdings nicht den Weg durch die Reuse fanden, gelang dies nicht wirklich. Vielmehr erarbeiteten sich die Berlin Braves 2000 die zweistellige Führung (29:41) zur Halbzeit.
Wacher sowie intensiver präsentierten sich die Kleinstädter nach der Pause im Großstadtdschungel. Angeführt vom US-amerikanischen Forward Osakue sowie Stikuts kämpften sich die Tigers nicht nur wieder heran, sondern holten nach sechs gespielten Minuten ihre Führung mit einem 13:0-Lauf zurück. Nun gestaltete sich die Partie eher zäh, da diese nun mehr an der Freiwurflinie als unter dem Korb entschieden wurde. Erst Yassin Mahfouz unterbrach die Freiwurf-Serie mit einem Korbleger und brachte seine Mannschaft mit einem weiteren Treffer erneut auf knappen Abstand (45:48).
Bereits der Beginn des letzten Viertels versprach Spannung im Kampf um den Lauf über die Brücke. Nachdem Sebastian Harke wieder einen erfolgreichen Dreier verbuchte und die Partie für sein Team wieder ausglich, holte Femi Oladipo erneut die Berliner Führung (48:50, 1. Minute). Nun reihten sich die Ascherslebener Ausgleichstreffer an die Berliner Führungstreffer. Die Unruhe der Halle schien sich dabei auf die Tigers zu übertragen, je näher sie – im ständigen Kampf um den Ausgleich – der Crunchtime kamen. Nachdem Aivars Stikuts seinen Ballverlust zurückgewinnen konnte, lag es erneut an Sebastians erfahrener Präsenz den Führungstreffer zu sichern (58:57, 7. Minute). Nun begann das Zittern, ob doch noch ein unerwarteter Sieg drin sein könnte. Nun sollte sich der Bogen schließen, denn was bereits zu Beginn funktionierte, sollte nun auch den letzten Schritt auf rettendes Ufer bedeuten. Sebastian Harke netzte aus dem Feld, 20 Sekunden vor Ende, ein. Da dies im Basketball noch eine halbe Ewigkeit bedeuten kann, hieß es nun Nerven bewahren. Dies taten die Tigers auch, gewannen den Ball und damit auch den wackligen Lauf zum Sieg. Mit 57:60 schickten die Aschersleben Tigers die Berlin Braves 2000 baden. Damit kletterten die Gäste vorerst auf den zweiten Tabellenplatz und entthronten den bisherigen Tabellenführer.
Stimmen zum Spiel:
Thorsten Weinhold, Headcoach der Aschersleben Tigers BC: „Das Spitzenspiel in Berlin stellte sich als erwartet schwere Aufgabe heraus. Beide Mannschaften nahmen sich gegenseitig ein sehr kämpferisch geführten Partien sehr viele Optionen. Während wir den besseren Start – dank der Dreier von Patrick und Yannick – verbuchten, zeigten die Braves im zweiten Viertel, wieso sie das Groß der Spiele gewinnen konnten. Der Halbzeitstand ließ schlechtes erahnen, aber wir zeigten uns kämpferisch auf Top-Niveau. Mein Tea, setzte in der zweiten Hälfte alle Defensiv-Vorgaben um, so erzielte Berlin im dritten Viertel und in eigener Halle nur sieben Punkte, was schon stark ist.“
Stats:
Für die Berlin Braves 2000 spielten: Mahfouz 12 Punkte, Bedime 10 / 10 Rebounds, Oladipo 10 / 6, T. Paul 7, Fadlelmula 5, S. Paul 4, M´Rad 3, Hasenkampf 2, Özdemir 2, Roche Peinado, Groß, Tietz
Für die Aschersleben Tigers BC spielten: Osakue 17 Punkte / 5 Rebounds, Stikuts 14 / 6, Lyons 9, von Hain 7, Harke 6 / 6, Coles 3, Alban 1 / 5, Barovic 1, Wascher